{"id":764,"date":"2022-01-18T20:26:47","date_gmt":"2022-01-18T20:26:47","guid":{"rendered":"https:\/\/purplearrow.ch\/?page_id=764"},"modified":"2023-01-20T16:28:41","modified_gmt":"2023-01-20T16:28:41","slug":"mdr1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/purplearrow.ch\/?page_id=764","title":{"rendered":"MDR1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:15px\"><strong>Was ist MDR1 &#8211; <strong>Multi Drug Resistance Gene<\/strong>?<br><\/strong>Ein MDR1-Gen-Defekt ist ein Defekt im MDR1-Gen, welches gelegentlich bei bestimmten Hunderassen auftreten kann. Wegen des Defekts kommt es zu einer fehlerhaften Synthese (Herstellung) des P-Glycoproteins (PGP). Dieses Protein (Eiweis) ist ein integrales Zellmembranprotein, das sich in Niere, Leber, Blut-Hirn-Schranke, sowie in der Nebenniere und im Darm befindet.<br>Das P-Glycoprotein schleust unter ATP-Verbrauch giftige Substanzen aus der Zelle: In der Blut-Hirn-Schranke (Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem) sorgt dieses Protein f\u00fcr den Abtransport von neurotoxischen Substanzen (Nervengifte).<br>Die Funktion des MDR1-Gens ist also die Entgiftung des K\u00f6rpers.<br>Der MDR1-Gen-Defekt ist also keine Krankheit, sondern \u201enur\u201c eine Unvertr\u00e4glichkeit auf bestimmte Wirkstoffe. Der MDR1-Gen-Defekt tritt nicht nur bei Australian Shepherds auf. Besonders bekannt ist die \u00dcberempfindlichkeit auf den Stoff Ivermectin bspw. bei Collies.<br><br><strong>MDR1-Defekt \u2013 Die Mutation<\/strong><br>Die \u00dcberempfindlichkeit gegen\u00fcber dem Antiparasitikum Ivermectin und weiteren Medikamenten ist durch einen Defekt im Multidrug-Resistance Transporter (MDR1) bedingt. Dieser Transporter fungiert als Effluxpumpe und sitzt u.a. in der Membran von Endothelzellen, die die Gehirnkapillaren auskleiden. Er \u00fcbt im Gehirn eine Barrierefunktion aus (Blut\/Hirnschranke), indem er Arzneistoffe und toxische Verbindungen in den Gehirnkapillaren zur\u00fcckh\u00e4lt und sie wieder aktiv ins Blut transportiert. Damit wird ein \u00dcbertritt dieser Substanzen in das Nervengewebe verhindert. Das intakte MDR1- Protein wird auch als P-Glycoprotein bezeichnet, besteht aus 1280 Aminos\u00e4uren und ist ein essentieller Bestandteil der Blut\/Hirnschranke. Ist bei Hunden das Defektgen vorhanden, bricht die Synthese des MDR1-Proteins bereits nach ca. 10% des Leserahmens vorzeitig ab. Dem defekten MDR1-Gen fehlen vier Basenpaare, nach der Lokalisation des Defektes wird die Mutation als nt 230 (del4) bezeichnet.<br><br><strong>MDR1-Defekt \u2013 Die Funktionen<\/strong><br>Neben der Barrierefunktion im Gehirn, Hoden und der Plazenta \u00fcbernimmt das MDR1-Protein in anderen K\u00f6rperorganen Ausscheidungsfunktionen. So wird das MDR1-Protein in Leber, Niere und Darm exprimiert und ist an der Ausscheidung von Wirkstoffen (Leber, Niere) beteiligt. Ferner wirkt das MDR1- Protein im Darm als eine Absorptionsbarriere. Ist der MDR1- Transporter nicht intakt, verliert er einerseits seine Barrierefunktion im Gehirn\/Hoden\/ Plazenta, andererseits ver\u00e4ndert sich die Pharmakokinetik f\u00fcr viele Substanzen durch verst\u00e4rkte Absorption bzw. verz\u00f6gerte Elimination. Eine fatale Kumulation von Wirkstoffen ist die Folge und der Organismus wird mit toxischen Substanzen \u00fcberflutet. Zus\u00e4tzlich \u00fcbernimmt das MDR1- Protein auch Transportfunktionen und beeinflusst endokrine Regelkreise. So limitiert das intakte MDR1-Protein den \u00dcbertritt von NNR- Hormonen Cortisol und Corticosteron ins Gehirn. Ist diese \u201eTransportkontrolle\u201c nicht mehr gew\u00e4hrleistet, kommt es zu einer down-Regulierung des feed-back- Mechanismus der Hypothalamus\/ Hypophysenachse.<br><br>Niedrige Basalcortisolkonzentrationen und ev. eine Suppression der Schilddr\u00fcsenhormone k\u00f6nnen die Folge sein. Bei betroffenen Tieren ist u. U. eine geringe Substitution von Schilddr\u00fcsenhormonen in Erw\u00e4gung zu ziehen (in subtherapeutischer Dosis von ~1 mg\/Tier). In einer prospektiven Studie aus den USA zeigten Tiere mit dem MDR1- Defektgen eine erh\u00f6hte Stressanf\u00e4lligkeit (deutlich herabgesetzte Antwort der NNR nach Stimulation) im Vergleich zu MDR1-intakten Hunden und erholten sich langsamer von schweren Erkrankungen.<br><br><strong>Es existieren drei Genotypen:<br><\/strong><em>1. Genotyp<\/em> <strong>N\/N<\/strong> (normal\/normal, +\/+, frei)<strong> homozygot gesund<\/strong>: Der untersuchte Hund tr\u00e4gt das mutierte Gen nicht und kann die nt230 (del4) Mutation nicht auf seine Nachkommen \u00fcbertragen.<br><br><em>2. Genotyp<\/em> <strong>N\/MDR1<\/strong> (n\/mut, +\/-, tr\u00e4ger) <strong>heterozygoter Tr\u00e4ger<\/strong>: Der untersuchte Hund tr\u00e4gt ein mutiertes Gen und kann die nt230 (del4) Mutation mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% auf seine Nachkommen \u00fcbertragen.<br><br><em>3. Genotyp<\/em> <strong>MDR1\/MDR1<\/strong> (mut\/mut, -\/-, betroffen) <strong>homozygot betroffen<\/strong>: Der untersuchte Hund ist reinerbig f\u00fcr die nt230 (del4) Mutation (auf beiden Chromosomen vorhanden) und \u00fcbertr\u00e4gt die Mutation auf seine Nachkommen. Homozygot betroffene Hunde k\u00f6nnen nach Applikation von problematischen Wirkstoffen (s.o.) Vergiftungserscheinungen entwickeln. Der DNA-Test zum Nachweis des MDR1-Defektes bietet Tier\u00e4rzten und Z\u00fcchtern ein effizientes und \u00e4u\u00dferst sicheres Mittel zur Identifizierung Ivermectin-sensitiver Tiere. Der DNA-Test kann bereits von Geburt an betroffene Tiere sicher identifizieren, so dass eine Entscheidung f\u00fcr\/gegen eine Therapie leichter getroffen werden kann. Ferner k\u00f6nnen sinnvolle Zuchtentscheidungen getroffen werden um den MDR1-Defekt mittelfristig aus der Zucht zu entfernen.<br><br>Alle Zuchthunde m\u00fcssen MDR1 getestet sein.<br>ASCS-Zuchtreglement: Es ist anzustreben, dass befallene Hunde (-\/-) und Tr\u00e4ger (+\/-) des MDR1 m\u00f6glichst nur mit freien Hunden (+\/+) verpaart werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist MDR1 &#8211; Multi Drug Resistance Gene?Ein MDR1-Gen-Defekt ist ein Defekt im MDR1-Gen, welches gelegentlich bei bestimmten Hunderassen auftreten kann. Wegen des Defekts kommt es zu einer fehlerhaften Synthese (Herstellung) des P-Glycoproteins (PGP). 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